Baumersroda auf der Suche nach der Vergangenheit

Die Chronik von Baumersroda

Baumersroda um 1930
Zwischen Mücheln im Geiseltal und Freyburg an der Unstrut liegt auf der Querfurter Platte ca. 200m über dem Meeresspiegel die ehemalige kleine Landgemeinde Baumersroda. Die Querfurter Platte ist eines der größten Löß-Schwarzerdegebiete in Sachsen-Anhalt. Bis zum Jahr 1990 waren Baumersroda und die Menschen in Baumersroda überwiegend von der Landwirtschaft geprägt.

Landwirtschaft auf weiten fruchtbaren Äckern um Baumersroda sind auch nach 1990 typisch für die Region. Den fruchtbaren Boden, bis 1990 von einzelnen Produktionsgenossenschaften bewirtschaftet, teilen sich heute Agrargenossenschaften, Familienbetriebe und Bewirtschafter kleiner privater Flächen.

In Baumersroda wurden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Dorfteiche, Auffangbecken bei starken Niederschlägen, verfüllt und ihrer Funktion des Regenrückhaltes beraubt.

Nur noch wenige Einwohner von Baumersroda sind in der Landwirtschaft beschäftigt und die ländlichen Höfe verlieren ihre einstige Bedeutung. Dort, wo sie nicht zweckentfremdet umgebaut wurden, beginnen sie teilweise zu verfallen.

Der Wasserturm, ein auf der Querfurter Platte weithin sichtbares Wahrzeichen, durch von Helldorff zur zentralen Wasserversorgung um 1906 erbaut, droht der Verfall. Fehlende Finanzmittel der Gemeinde und fehlendes Interesse am Erhalt sind für den Turm das Todesurteil.



Die ersten Siedler in und um Baumersroda dürften sich vor etwa 900 Jahren niedergelassen haben. Der Kirchturm der Kirche Baumersroda ist ein Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert.

Wolfgang Kahl verweist in seinem Buch "Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer" auf Johann Looshorn, "Geschichte des Bistums Bamberg II", hier Ersterwähnung von Baumersroda im Jahre 1185. Looshorn entnimmt einer Urkunde von 1185 den Namen Beumenrode und Wolfgang Kahl ist der Auffassung, dass es sich um das heutige Baumersroda handelt. Auf einer im Internet veröffentlichten Karte des ehemaligen Landkreises Staffelstein (Oberfranken) ist eine nicht lokalisierte oder fragliche Wüstung mit dem Namen Beumenrode vermerkt. Es ist nach derzeitigem Wissensstand nicht auszuschließen, dass Looshorn eventuell diese einstige Siedlung gemeint hat.

Aus einer Schenkungsurkunde des Bischofs Egilbert
aus dem Jahr 1144 ist zu entnehmen, dass die
Bambergische Kirche bereits Besitzungen in Teilen Sachsens
in der Nähe von Mücheln hat.

Kirchturm Baumersroda aus dem 12. Jahrhundert

In die Amtsdauer Bischof Otto II. von Bamberg fällt die Ersterwähnung von Beumenrode. Das Münster der heiligen Maria sowie das Münster des heiligen Petrus wurden 1185 ein Opfer der Flammen. Bistumsgüter mussten verpfändet werden, um für den Wiedraufbau der Gotteshäuser Geld zu beschaffen.

Otto II. hat deshalb auch seinem Verwalter Walther und dessen alter Frau das Dorf Beumenrode und das Wäldchen am Dorfe unter Bedingungen überlassen.

Johann Looshorn verweist hierzu in seinem Buch "Geschichte des Bistums Bamberg", Band 2, auf eine von Otto II. ausgefertigte Urkunde aus dem Jahre 1185.


Besitzfolge und/oder Verwaltung des Rittergutes Baumersroda

1144 Weil die Bambergische Kirche in Teilen Sachsens in der Nähe von Mücheln einen ziemlich unwegsamen Forst besitzt, haben Wir angeordnet, dass ein Teil dieses Forstes gerodet und dieses unfruchtbare Buschwerk in fruchtbare Äcker verwandelt wird.
(Auszug der Übersetzung einer Schenkungsurkunde von Bischof Egilbert für das Kloster Kolbigk, übersetzt von Klaus Fürsen, Ahrensburg.)
Aus der Schenkungsurkunde geht jedoch nicht hervor, dass es sich bei der geplanten Rodung um Flächen von Baumersroda handelt. Die Nennung von Albrechtsroda (Adelbrehtisrod) bezeichnet Waldflächen auf dem Gebiet des heutigen Albersroda. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass Rodungen auf dem Gebiet des heutigen Baumersroda ebenfalls um diese Zeit begonnen haben.  
1185 das Bistum Bamberg erwirbt die Oberhoheit für Baumersroda und hat bereits Besitzungen in und um Baumersroda.
August 1185 Bischof Otto II. überlässt seinem Verwalter und dessen alter Ehefrau auf Lebzeiten das Dorf Beumenrode.
15. Jh - 1696 die von Breitenbauch sind Gutsherren auf Baumersroda.
1696 - 1704 ist Hofrat Graf von Brühl Herr auf Baumersroda.
1704 wird Johann Georg aus dem Winkel Gutsherr.
1737 verkaufen die Erben von Johann Georg aus dem Winkel das Rittergut an Wilhelm Busso Marschall von Bieberstein, der von 1737 - 1744 Herr auf Baumersroda ist.
1744 - 1825 ist Heinrich Moritz I. von der Schulenburg Gutsherr auf Baumersroda.
1825 wird Wilhelm von Jagow Besitzer des Rittergutes und verkauft es 1828 an Heinrich Ferdinand von Helldorff, welcher bereits Herr auf Bedra ist.
1873 Carl Heinrich Wolf von Helldorff wird Herr auf Baumersroda.
1895 Heinrich Otto (Otto Heinrich) von Helldorff wird Herr auf Baumersroda und Bedra.
1936 Hans Peter von Helldorff tritt das Erbe seines Vaters auf Bedra an, Christoph Heinrich von Helldorff wird der Nachfolger seines Vaters auf Baumersroda.


Ferdinand Heinrich von Helldorff
Die Familie von Helldorff auf Baumersroda


Ferdinand Heinrich (Bild), Sohn des Johann Heinrich von Helldorff, wird Herr auf St. Ulrich, Gröst und Wohlmirstedt, -auf Bedra seit 1793.
*11.03.1764     +21.03.1815 

Heinrich Ferdinand v. Helldorff, Sohn und Erbe des Ferdinand Heinrich von Helldorff, wird Herr auf Bedra und erwirbt 1828 das Gut Baumersroda.
*02.09.1799     +23.11.1873 

1873, Carl Heinrich Wolff von Helldorff übernimmt das Gut in Baumersroda.
*23.02.1828     +14.09.1895

1895, Heinrich Otto v. Helldorff wird Herr auf Baumersroda und tritt nach dem Ableben von seinem Onkel Otto Heinrich von Helldorff 1908 auf Bedra auch noch dessen Erbe an. 1936 stirbt Heinrich Otto von Helldorff und wird in Baumersroda beigesetzt. Auf seinem Grabstein wird ihm mit Otto Heinrich von Helldorff gedacht.
*18.10.1870     +08.08.1936

1936, nach dem Tod von Heinrich Otto v. Helldorff ist Hans Peter von Helldorff Herr auf Bedra.

Christoph Heinrich von Helldorff tritt das Erbe seines Vaters,  Heinrich Otto von Helldorff, in Baumersroda an und ist bis 1945  Herr auf Baumersroda.
*11.02.1916     +29.08.1953











Nach 1945 wurde dieser Torbogen zur Gewinnung von Baumaterial leider zerstört.

Es handelt sich hier um die Hauptzufahrt zum Schloss und seinen Nebenanlagen.

Der Schlosshof selbst hatte entgegen der nach 1994 angelegten zentralen Zufahrt zwei dezentrale Zugänge. Über diese Zufahrten konnte man den Hof ohne Probleme befahren und auf der anderen Seite wieder verlassen. 
Einfahrt zum Herrenhaus Baumersroda vor 1945